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Taxi oder Fahrdienst in Berlin: wann welcher Preis gewinnt.

In Berlin fahren zwei Preissysteme durch dieselben Straßen. Das Taxi rechnet nach einem Tarif, den der Senat per Verordnung festlegt und der am Taxameter mitläuft. Uber, Bolt und Freenow nennen eine Zahl, bevor Sie einsteigen, und diese Zahl verschiebt sich mit der Nachfrage. Wer günstiger ist, entscheidet deshalb selten die Marke, sondern die Uhrzeit, die Strecke und der Verkehr.

Zwei Preissysteme, zwei verschiedene Versprechen

Der Taxitarif ist kein Angebot, sondern Recht. Die Berliner Verordnung über Beförderungsentgelte im Taxenverkehr setzt Festentgelte fest, die weder über- noch unterschritten werden dürfen. Ein Taxi darf an zugelassenen Halteplätzen bereitstehen, es darf auf der Straße herangewinkt werden, und im Pflichtfahrbereich muss es Sie mitnehmen. Was die Fahrt kostet, steht allerdings erst am Ziel fest, weil der Zähler Strecke und Standzeit zusammenrechnet.

Die Fahrdienste arbeiten nach anderen Regeln. Nach dem Personenbeförderungsgesetz dürfen Mietwagen nur Aufträge ausführen, die am Betriebssitz eingegangen sind, und müssen nach der Fahrt unverzüglich dorthin zurückkehren, wenn kein neuer Auftrag vorliegt. Am Straßenrand auf Kundschaft warten dürfen sie nicht, und eine Beförderungspflicht haben sie ebenfalls nicht. Dafür kalkulieren sie ihren Preis frei und zeigen ihn vollständig an, bevor Sie bestellen.

Das eine System verspricht Ihnen eine Regel, das andere eine Zahl. Aus diesem Unterschied folgt fast alles Weitere.

Was das Taxi in Berlin kostet

Der geltende Tarif stammt vom 20. Dezember 2022, als der Senat die Berliner Taxipreise um durchschnittlich 20 Prozent anhob und den Grundpreis von 3,90 auf 4,30 Euro setzte. Seitdem gilt:

Der Taxameter zählt in 20-Cent-Schritten weiter, und die erste dieser Teilstrecken steckt schon im Grundpreis. Die Wartezeit wird nach der ersten vollen Minute berechnet, und zwar auch dann, wenn das Taxi nur im Verkehr steht. Damit lässt sich jede Fahrt nachrechnen: Fünf Kilometer ohne Halt kosten rund 17,70 Euro, zehn Kilometer rund 29,20 Euro, fünfzehn Kilometer rund 39,70 Euro. Das sind reine Streckenpreise. Jede Minute Stillstand kommt oben drauf, und genau dort verliert die Rechnung ihre Verlässlichkeit.

Bemerkenswert ist, was in diesem Tarif fehlt. Er kennt keine Nachtstufe, keinen Wochenendaufschlag und keinen Zuschlag für Silvester. Um drei Uhr morgens zeigt der Taxameter dieselben Kilometerpreise wie am Dienstagmittag. Teurer wird es nur, wenn das Taxi steht.

PositionPreis
Grundpreis4,30 Euro
Kilometer 1 bis 32,80 Euro je Kilometer
Kilometer 3 bis 72,60 Euro je Kilometer
ab dem 7. Kilometer2,10 Euro je Kilometer
Wartezeit, auch verkehrsbedingt39,00 Euro je Stunde
Kurzstrecke bis 2 Kilometer, nur herangewinkt6,00 Euro
Großraumtaxi ab 5 Personen6,00 Euro
Fahrten ab dem Flughafen BER1,50 Euro Zuschlag

Warum der Preis in der App von Stunde zu Stunde springt

Uber berechnet den Fahrpreis nach eigener Darstellung in den meisten Städten im Voraus, aus Dauer und Strecke, und hebt ihn vorübergehend an, wenn mehr Fahrgäste unterwegs sind als Fahrer verfügbar. Bolt beschreibt dasselbe Prinzip: Bei hoher Nachfrage, also zu Stoßzeiten, bei Großveranstaltungen oder extremem Wetter, steigen die Raten, erkennbar an einem Pfeil neben dem Fahrpreis.

Eine Preisliste dazu gibt es nicht. Weder Uber noch Bolt veröffentlichen für Berlin einen Grundpreis und einen Kilometerpreis, so wie es die Verordnung für das Taxi tut. Jede Zahl, die irgendwo als der Uber-Preis für Berlin steht, ist ein Screenshot von einem Dienstagnachmittag. Am Freitag um 18 Uhr steht dort etwas anderes, und niemand kann Ihnen seriös eine Spanne für das ganze Jahr nennen.

Im Festpreis steckt außerdem eine Wette. Der Anbieter übernimmt das Risiko, dass die Fahrt länger dauert als geplant, und dieses Risiko ist eingepreist. Sie zahlen Planungssicherheit, mal günstig, mal teuer.

Wann das Taxi vorn liegt und wann der Fahrdienst

Auf sehr kurzen Wegen ist das Taxi schwer zu schlagen: sechs Euro bis zwei Kilometer. Diese Kurzstrecke gilt allerdings nur, wenn Sie ein fahrendes Taxi heranwinken. Am Halteplatz, am Telefon und in der App zählt sie nicht.

Steht der Verkehr, dreht sich das Verhältnis. Die Wartezeit von 39 Euro je Stunde läuft auch dann, wenn das Taxi verkehrsbedingt hält. Ein vorab vereinbarter Preis bleibt dagegen stehen, egal wie lange die Ampel auf der Frankfurter Allee braucht. Eine halbe Stunde Stillstand macht am Zähler 19,50 Euro aus.

Wollen alle gleichzeitig fahren, kippt es zurück. Feierabend bei Regen, das Ende einer Veranstaltung, die Nacht auf den 1. Januar: Genau in diesen Stunden erhöhen die Apps ihre Raten, während der Taxameter unverändert weiterrechnet. Ist umgekehrt wenig los, kann der Fahrdienst deutlich unter dem Tarif landen. Sehen kann man das nur, wenn man beide Seiten abfragt, und zwar für diese eine Fahrt.

Zu fünft mit Gepäck verschiebt sich die Rechnung noch einmal. Im Taxi kostet das Großraumfahrzeug ab der fünften Person pauschal sechs Euro Zuschlag, in den Apps sind die größeren Wagen eigene Kategorien mit eigenem Preis, der nicht in festem Verhältnis zum Standardwagen steht.

Dazu kommt: Das Taxi steckt inzwischen selbst in den Apps. Seit dem 1. Juli 2024 dürfen Berliner Taxis für vorbestellte Fahrten einen Festpreis vereinbaren, der höchstens 20 Prozent über und 10 Prozent unter dem Vergleichswert des Taxameters liegen darf. Uber bietet solche Taxi-Festpreise seit Juni 2024 in Berlin an, Freenow führt Berlin ebenfalls unter seinen Festpreis-Städten. Bei Bolt dagegen zahlen Sie in der Taxikategorie in Berlin laut Hilfeseite das, was der Zähler anzeigt. Ein Taxi über eine App zu bestellen heißt also nicht automatisch, einen Festpreis zu bekommen.

Der BER rechnet anders als die Stadt

Die Hinfahrt zum Flughafen läuft nach dem Berliner Tarif. Die Rückfahrt nicht. Der BER liegt in Brandenburg, im Landkreis Dahme-Spreewald, und für Fahrten, die am Flughafen beginnen, gilt dessen Flughafentarif: 4,30 Euro Grundpreis, bis fünf Kilometer 2,60 Euro je Kilometer, danach 2,00 Euro. Hinzu kommen 1,50 Euro für die Nutzung der Taxi-Infrastruktur am Flughafen. Dieselbe Strecke kostet also je nach Richtung nicht dasselbe. Immerhin gilt ab dem BER ein weiter Pflichtfahrbereich: Jedes Ziel im Land Berlin muss das Taxi anfahren.

Der Taxi-Festpreis hilft hier nicht weiter, denn er ist auf das Berliner Stadtgebiet beschränkt. Vom BER in die Stadt fährt das Taxi am Zähler. Das Land Berlin nennt als Anhaltspunkt für diese Strecke rund 58 Euro ab Alexanderplatz und rund 63 Euro aus der westlichen Innenstadt.

Die Fahrdienste nennen auch am BER ihren Preis vorab. Ob er darunter liegt, hängt an der Uhrzeit und daran, wie viele Wagen gerade am Flughafen warten. Nach einer Reihe verspäteter Landungen um 23 Uhr kann derselbe Weg spürbar teurer sein als am Vormittag.

Was Fab dabei abnimmt

Fab fragt Ihre Apps ab, und zwar nur die, die Sie mit Ihrem Konto verbunden haben. Von den elf Diensten im Vergleich fahren in Berlin Uber, Bolt und Freenow; Heetch, G7, LeCab, Comin, Cabify, Lyft, Empower und Waymo bedienen andere Märkte. Die Berliner Taxizentrale mit ihrer App taxi.eu gehört bisher nicht zum Vergleich.

Fab verspricht Ihnen nicht die günstigste Fahrt, denn die gibt es nicht als feste Größe. Sie ändert sich mit jeder Bestellung, mit dem Wetter und mit der Zahl der Wagen in Ihrem Kiez. Was Fab zeigt, sind Ihre Preise nebeneinander, in drei Sekunden, für diesen Weg zu dieser Minute. Ob Ihnen heute der Zähler oder die feste Zahl lieber ist, entscheiden dann Sie.

FAQ

Was kostet ein Taxi in Berlin?

Der Grundpreis beträgt 4,30 Euro. Dazu kommen 2,80 Euro je Kilometer für die ersten drei Kilometer, 2,60 Euro bis sieben Kilometer und 2,10 Euro ab dem siebten Kilometer. Wartezeit kostet 39 Euro je Stunde, auch im Stau. Fünf Kilometer ohne Halt liegen damit bei rund 17,70 Euro.

Ist Uber in Berlin günstiger als ein Taxi?

Mal ja, mal nein. Der Taxitarif ist per Verordnung festgelegt und ändert sich nicht nach Tageszeit. Uber berechnet den Preis vorab und hebt ihn an, wenn mehr Fahrgäste als Fahrer unterwegs sind. Bei Regen zum Feierabend kann das Taxi vorn liegen, an einem ruhigen Vormittag der Fahrdienst. Die Antwort gilt jeweils nur für eine Fahrt.

Kann man in Berlin ein Taxi zum Festpreis bestellen?

Ja. Seit dem 1. Juli 2024 dürfen Berliner Taxis bei vorheriger Bestellung mit vereinbartem Start- und Zielort einen Festpreis vereinbaren. Er darf höchstens 20 Prozent über und 10 Prozent unter dem Vergleichswert des Taxameters liegen und gilt nur im Berliner Stadtgebiet.

Was kostet ein Taxi vom Flughafen BER in die Innenstadt?

Für Fahrten, die am BER beginnen, gilt der Flughafentarif des Landkreises Dahme-Spreewald: 4,30 Euro Grundpreis, 2,60 Euro je Kilometer bis fünf Kilometer, danach 2,00 Euro, plus 1,50 Euro Zuschlag. Einen Festpreis gibt es ab dem Flughafen nicht. Das Land Berlin nennt für die Strecke Alexanderplatz rund 58 Euro.

Welche Fahrdienst-Apps gibt es in Berlin?

Für Fahrten in Berlin sind Uber, Bolt und Freenow verfügbar; Taxis lassen sich zusätzlich über taxi.eu der Berliner Taxizentrale bestellen. Fab vergleicht Uber, Bolt und Freenow, sobald Sie diese Konten verbunden haben, taxi.eu bisher nicht.

berlin.de · parlament-berlin.de · dahme-spreewald.info · gesetze-im-internet.de · uber.com · bolt.eu · free-now.com · taxi-berlin.de · taxiinnung.org

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